Sie sind die Dolls! David Johansen und Sylvain Sylvain hielten die New York Dolls nach dem Ausstieg von Johnny Thunders und Jerry Nolan auch 1975 noch ganze zwei Jahre als The Dollettes am Leben. 2004 liessen sie sich von einem ihrer größten englischen Fans, einem gewissen Morrissey, anlässlich des von ihm ausgerichteten Meltdown Festivals zu einer Reunion überreden. Da die beiden ausgestiegenen "Herzensbrecher" Thunders und Nolan bereits Anfang der Neunziger verstarben, komplettierte Arthur "Killer" Kane die Runde. Doch leider verstarb auch er nur kurze Zeit später, so dass Johansen und Sylvain zum zweiten Male die letzten zwei New York Dolls waren; diesmal allerdings für immer. Sie behielten den Bandnamen und spielten zudem noch ein neues Album ein. Die beiden sind weder Mutter noch Vater des Punk und haben ihn auch ganz sicher nicht erfunden, aber bei dessen Geburt waren sie zweifelsohne hautnah dabei. Keine Frage, dass es mir eine Ehre war diesen Lichtgestalten des Rock'n'Roll, welche es doch tatsächlich vollbringen, mir allein durch ihre Anwesenheit, jeden Raum dieser Welt erträglich zu gestalten, in Köln begegnen zu dürfen. Und so plauschte ich nun also mit Sylvain, der an dieser Stelle zu Recht ein Rockstar genannt werden darf, über das neue Album, die "gute alte Zeit" und noch so vieles mehr.
TFRB: "One Day It Will Please Us To Remember Even This" wird euer neues Album heissen. Mögt ihr euch denn momentan noch gar nicht erinnern?
Syl: Der Titel ist von David [Johansen]. Eigentlich sollte man ihn dies fragen, aber wenn ich für ihn sprechen sollte, dann würde ich sagen: Wenn man manchmal zurückschaut und anfängt von den alten Zeiten zu schwärmen, obwohl es eigentlich eine beschissene Zeit war, ein Krieg oder irgendeine anderer Scheisse. Die Art, wie Menschen sich erinnern und meinen es sei so eine großartige Zeit gewesen, weisst Du was ich meine? Mit anderen Worten, heute, denn wir leben ja heute, sind wir überzeugt, dass die ganze Welt nicht besonders gut ist. Zuviel Gewalt und Verbrechen und solche Dinge. Aber wir könnten morgen zurückschauen und sagen, was für eine schöne Zeit im Vergleich zu morgen es gewesen sei, denn wir wissen ja nicht was morgen sein wird. So hat er mir es zumindest erklärt. Ich habe den Titel nicht wirklich befürwortet.
TFRB: Mein erster Gedanke war, dass ihr momentan eine Menge vorhabt und euch mit dem Erinnern eben noch Zeit lassen wollt?
Syl: Ja, er wollte dass man selbst entscheiden kann, was es bedeutet. Er meinte es sei sowas wie ein Vergil Zitat [A.d.A.: "Perhaps one day this too will be pleasant to remember" wird der berühmte römische Dichter im Englischen zitiert].
TFRB: Du mochtest aber immer die Dolls und hast nie aufgehört Dich zu erinnern, wenn man beispielsweise nur an die kreisrunden Aufkleber mit der Aufschrift "Former Member of The New York Dolls" auf deinen Solo-Alben denkt?
Syl: Ja, ich habe nach und nach mit ihnen allen gearbeitet. Als die Dolls aufhörten liessen sie mich zurück, aber ich verliess die Dolls nie. In meiner Karriere war ich nichtsdestotrotz immer ein New York Doll.
TFRB: Aber '97 hast du doch "Sleep Baby Doll" geschrieben...
Syl: Ja, ich hatte ein Album gemacht. Im Grunde genommen hatte ich das allein gemacht. Zu der Zeit war niemand hinter mir her und ich muss nun mal Platten machen. Ich habe auch schon Kassetten-Alben gemacht und sie an Läden verkauft. Einfach hundert Kassetten & ein simples Cover kopiert. Nur aus dem Antrieb heraus Platten zu machen. Das ist nun mal mein Ein und Alles im Leben. Und da kam dann so ein Typ zu mir und sagte: "Hey, wollen wir daraus ein Album machen?" Er war aber nur von einem Independent Label und so wurde aus der 100er auch nur eine 1000er Auflage. Aber er war echt ein netter Kerl, sein Label heisst Fishhead Records, tja und er hat mir immerhin die Möglichkeit gegeben was zu veröffentlichen. Und "Sleep Baby Doll" hatte ich eigentlich nur als ein Schlaflied für meinen Sohn geschrieben.
TFRB: War der Song für dich denn nicht so eine Art Abschluss mit der Dolls Zeit?
Syl: Ja, das ist er bzw. wurde er. Aber es entsprang aus der Idee eines Schlafliedes. Erst später kamen eine Menge Leute zu mir und wollten, dass ich einen Song über die New York Dolls schreiben sollte, ähnlich wie Eddie Cochran "Three Stars" zu Ehren von Buddy Holly, Ritchie Valens & The Big Bopper [R.I.P.] schrieb, die ja alle drei zusammen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Und nachdem Johnny starb, Jerry starb und auch Billy Murcia tot war, wie lang ist das schon her, kamen die Kids, Kinder jeden Alters, so nenne ich alle meine Fans, zu mir und fragten mich, ob ich den Jungs nicht auch so einen Cochran Song schreiben könne. Aber ich bin nicht besonders gut in so was. Wenn Du mir sagen würdest: "Morgen brauche ich einen Werbesong für McDonalds. Geh' nach Hause und schreib' ein Lied!" - Vergiss es, für mich sind das Scheiss-Lieder! Ich kann so nicht schreiben, dafür brauch ich Inspiration. Aber als Nina [Antonia] - oh sie ist wunderbar - meine Verse an das Ende ihres Buches setzte, um mit den ganzen Geschichten abzuschließen, dass war schon großartig.
TFRB: In Ninas Buch über die Dolls konnte man auch lesen, dass Arthur Kane eine Art "New York Dolls Supergroup" plante, in welcher dann beispielsweise Michael Monroe oder andere von den Dolls beeinflusste Musiker spielen sollten. Wie standest Du zu dieser Idee?
Syl: Ja, wir beiden wollten die Dolls die ganzen Jahren über immer noch mal machen. Anfang der 90er bin ich runter nach Kalifornien gezogen, ungefähr '91. In New York hat damals jeder irgendeine Scheiße gemacht - ich bin Taxi gefahren. Und dann wurde ich angeheuert, um in Kalifornien Bands zu produzieren. In New York wohnte ich zur Untermiete, da hatte ich kein Haus. Aber als ich nach Kalifornien kam, stand überall: "1 Month Free! Rent Here! 300$ A Month!", und jedes Haus hatte einen Swimmingpool. Also nahm ich meine ganze Familie, die Kinder und das wunderschönes Mädchen, dass ich geheiratet hatte mit mir. Und wir fuhren die ganze Strecke von New York nach Kalifornien mit einem 73'er Käfer. Es war so viel besser dort. Aber jedes Jahr, aller drei Monate, aller sechs Monate, bot uns jemand irgendwelches dämliches Geld an, um wieder zusammenzukommen. Arthur und ich wollten das nur für uns tun. Aber um ganz ehrlich zu sein, warum die Dolls nicht zusammenkamen war, dass jeder von den Dolls nach den Dolls erfolgreich war. David hatte von den Dolls am meisten Erfolg.
TFRB: Als Buster Poindexter?
Syl: Exakt! Filme hat er auch gemacht. Und Johnny? Vergiss es, er hat jeden Club von hier bis nach Timbuktu gespielt - und das sogar zweimal! Ich nenne ihn den fleißigsten Mann des Showbusiness nach James Brown. Ja, ich habe eben mit ihnen allen gearbeitet. Ich hab Songs für David geschrieben, war mit ihm auf Tour. Ich hab "Funky But Chique", "French Head" und so von seinen Soloalben geschrieben. Mit Jerry Nolan hatte ich kurz bevor er starb eine Band in New York. "The Ugly Americans", aber das waren auch nur zwei Minuten in der Rock'n'Roll Geschichte. Mit Johnny Thunders war ich auf Tour. Wir haben zusammen in Paris gelebt, 1984. Und waren in Schweden, Spanien, Frankreich, England auf Tour und haben auch Songs zusammen geschrieben. Ja, und Arthur hat auch bei mir mal mit gemacht, das letzte Mal mit Blondie Drummer Clem Burke. Dee Dee Ramone war im Publikum. Aber Dee Dee & Arthur hatten dieselbe Freundin: Miss Connie. Diejenige welche auch Arthur mit einem Messer angegriffen und verletzt hat [A.d.A.: nachzulesen in "Please Kill Me", Kapitel 16]. Ja, sie war echt komplett verrückt! Als Dee Dee herausfand, dass Arthur in meiner Show spielen würde ging er, weil beide sich um Miss Connie stritten. Immer wenn ich gespielt habe waren alle da um mich zu sehen. Sogar Morrissey kam in Alice Bar, ein richtiger funky Schuppen, vielleicht das CBGB's für Los Angeles. Das ist alles Downtown in L.A., da ist nichts außer Geschäften. Um 5 ist da niemand mehr, bis auf in diesen Punk Club. Eines Tages kam Morrissey um meine Show zu sehen. TFRB: Er war ja auch der Gründer des ersten New York Dolls Fanclubs. Syl: Ja, aber er hatte sich dazu einfach selbsternannt, weil wir kein Geld für so einen Job hatten und wahrscheinlich auch schlichtweg keine Verwendung.
TFRB: Aber er hat euch doch sicher auch geschrieben?
Syl: Nein, dass hat er alles selbst gemacht. Aber das zeigt dir und mir, wie sehr er die Dolls geliebt hat, da er es für Nichts tat. Davon gab es eine Menge Leute, und das hat uns Dolls auch die ganze Zeit am Leben gehalten. Sie haben die Dolls geliebt, obwohl die Dolls noch nicht einmal zusammen waren. Sie hatten ein richtiges kleines Unternehmen, keine Firma, aber sie haben eben alles gemacht und sich selbst ernannt, um die New York Dolls zu promoten. Was es da alles gibt, T-Shirts, Bücher, dies und das, was immer du auch willst.
TFRB: Wie kam es denn, dass ihr zu der Zeit auf der Insel so angesagt gewesen ward und wann seid ihr dort erstmals in Erscheinung getreten?
Syl: Zum ersten Mal mit Billy, als er '72 leider auch dort starb. Wir kamen dahin wegen dem "Melody Maker", die haben einen Centerfold über uns gemacht. Sie kamen nach New York, Roy Hollingsworth war der Autor & Lee Childers die Photographin, und packten ein Riesenbild von uns in die Mitte des Magazins, schrieben groß New York Dolls oben drüber und wie wir eine Szene kreiert hatten und so weiter. Das nächste was passierte war ein Anruf aus England: "Ihr Typen müsst hier rüber kommen". Wir waren große Stars! Die Leute haben uns auf Parties eingeladen und die Lords haben uns Rolls-Royces geschickt. [beginnt zu lachen] Einmal haben sie David einen Rolls-Royce geschickt und wir stiegen alle ein und fuhren zur Party, aber vergaßen David weil er zu spät kam. Also musste er ein englisches Taxi nehmen, um zu der Party zu kommen. Er sagte nur: "Ihr beschissenen Bastarde habt mein Auto genommen!" Das hat er nie vergessen.
TFRB: Und wann ward ihr zum zweiten Mal da?
Syl: '73 kamen wir noch mal zurück und spielten im B-bus, im Fernsehen, der BBC, in der "Old Grey Whistle Test Show", alles nachdem auch unsere Platte raus kam. Das war auch wo uns Joe Strummer, die Morrisseys und all die anderen im Fernsehen sahen und sich sagten: "Unfassbar! Das ist großartig! Das ist es! So sollte Rock'n'Roll sein!" Weil wir so voller Hass und rebellisch gegen das R'n'R Establishment waren, was ja gar nicht mehr R'n'R war, sondern nur noch ROCK. Stadion Rock, Riesenshows, eine Menge Lichter und alles total überproduziert. Und die Musiker? Ausdruckslos! Die Lieder? Nichts sagend! Das Image? Belanglos! Warum sie spielten? Keine Ahnung! Aber wir hatten eben das alles! Als wir raus gingen, fanden wir zunächst kaum einen Auftrittsort. Aber als wir erstmal angefangen hatten zu spielen und die Kids kamen um uns zu sehen, realisierten sie: "Man, auf das Lied habe ich gewartet!" Denn es war alles so langweilig in diesen Jahren der zwanzigminütigen Drum- und halbstündigen Gitarrensoli.
TFRB: Ihr wolltet also nur ursprünglichen R'n'R machen und Punk Rock war gar nicht eure beabsichtigte musikalische Ausdrucksform?
Syl: Der Begriff wurde doch erst gebildet, als man die New York Dolls sah, und nicht als man fünf Jahre zuvor die MC5 sah. Die spielten schon '68 auf dem demokratischen Kongress in Chicago, als es die großen Ausschreitungen gab. Das war zwar nur ein paar Jahre vor unserer Zeit, aber im R'n'R Geschäft ist das eine sehr lange Zeit, vielleicht 15, 20 oder noch mehr Jahre. Dazu zählen nicht nur die MC5, auch Iggy Pop und die ganze Generation vor uns. Erst als man die Dolls sah prägte man den Begriff "Punk Music".
TFRB: Da gab es doch vorher noch diesen legendären Nuggets Sampler [A.d.A.: obskure Sixties Songs die Lenny Kaye 1972 veröffentlichte und als "punk-rock" umschrieb]. Aber John Holmstrom, der Begründer des Punk Magazins, hat mal gesagt, dass für ihn euer "Red Patent Leather" Album den Übergang von Glam Rock zu Punk Rock markiert. War das eigentlich eine Idee eures damaligen Managers, Malcolm McLaren?
Syl: Nein, die Idee kam von uns und Vivien Westwood. Sie hat die Klamotten gemacht nicht Malcolm. Angefangen hat es eigentlich damit, dass ich einen Klamottenladen hatte.
TFRB: Ja, hast Du nicht auch die Mickey Mouse T-Shirts von London nach New York exportiert?
Syl: Ja, nicht nur dass. Vor allem habe ich Vivien Westwood und Malcolm McLaren mit David Johansen und Johnny Thunders bekannt gemacht. Und ich kann dir auch erzählen wie es dazu kam. Eins, zwei Mal im Jahr gibt es so genannte "Trade Shows", wo sich Verkäufer und Käufer treffen. Ich hatte da einen Stand mit "Truth & Soul" [Sylvains Laden]. Das war 1971 im McCalpen Hotel in New York City. Die Show ging insgesamt drei Tage: Freitag, Samstag und Sonntag. In jedem Zimmer war ein anderes Unternehmen untergebracht. Und am Ende des Ganges war ein Raum von "Let It Rock", das war deren Unternehmen. Die hatten echt coole Klamotten. Ich stehe total auf Jerry Lee Lewis und mag diesen Rockabilly Style, den die Engländer Teddyboy nennen. Na und am letzten Tag werden für gewöhnlich die Samples verbilligt verkauft und deshalb habe ich David und Johnny eingeladen. So lernten sie Vivien und Malcolm kennen. Wir wurden enge Freunde und sie liebten die Dolls. Als sie dann später mit "Sex Clothing" anfing war das inspiriert von den Dolls. Sie hat immer zu mir gesagt: "Sylvain, ihr Jungs seht in Frauensachen so viel besser aus." [lacht] So kam das mit Malcolm. Aber er war nie unserer Manager, er war viel mehr ein Freund. Wir haben nie irgendein Stück Papier unterschrieben. Er hat sich öfter mit uns in Verbindung gebracht als wir uns mit ihm, nachdem er nach England ging. Er hat auch probiert die New York Dolls zusammen zu halten, aber die Dolls konnten nicht zusammen gehalten werden, und schon gar nicht von Malcolm.
TFRB: Wie lang wart ihr mit Malcolm McLaren zusammen?
Syl: Weißt was die einzigen Worte waren, die David Johansen & Malcolm McLaren gewechselt haben? Also wir waren alle zusammen in der Umkleide. So ging das ganze Ding mit dem Rot überhaupt los. David & ich hatten den Song "Red Patent Leather" geschrieben. Der Text ging so: "Red, Your The Judge! Red, Your The Jury! Red, Your The Executioner!" Malcolm sagte: "Ich habe hier rote Schuhe!" Und Johnny sagte: "Ok, ich nehme die roten Schuhe." Und Arthur meinte: "Ok, ich auch." David & Malcom sind nie richtig miteinander klar gekommen, sie sind immer aneinander geraten. Aber als die beiden dann ganz in rot zusammentrafen, meinten sie: "Wow, Let's Hang Up The Red Flag!" Was echt die bescheuerteste Idee überhaupt war, denn schließlich waren wir ja im Krieg mit den Kommunisten. Also nicht ich, ich würde nie gegen irgendjemand kämpfen.
TFRB: Du wurdest nicht eingezogen weil Du ursprünglich aus Ägypten kommst?
Syl: Nein, ich wurde nicht eingezogen weil ich mich nicht habe registrieren lassen. Erst als der Krieg vorüber war habe ich mich registrieren lassen. So ein Scheiß, dass ist doch nicht mein Krieg, dass ist deren Krieg.
TFRB: Das Ende des Vietnamkrieges war aber sicher nicht der Grund, weshalb ihr euch 1975 getrennt habt. Waren es die Streitigkeiten zwischen David und Johnny?
Syl: Nein, es lag an uns allen. Es lag am Alkohol, am Heroin und daran, dass kein Geld da war. Wir waren erfolgreich, aber hatten bis dato einfach noch kein Geld verdient. Das war eine schlechte Kombination, insbesondere wenn man heroinabhängig ist. Wenn man auf Heroin ist verlässt man niemals sein Umfeld. Man bleibt immer in der Nähe der "Drogerie". Es macht keinen Spaß nach Florida zu gehen, wenn es dort keine "Drogerie" gibt.
TFRB: Lass uns über erfreulicheres reden. Die aktuelle Band, wie kam die zusammen?
Syl: Also ursprünglich kamen wir nur für die eine Show 2004 zum Meltdown Festival zusammen, aus der dann zwei wurden. Im Grunde genommen hat David die ganze Band zusammengestellt, Arthur und ich wurden auch nur eingeladen. Und glaube es oder nicht, aber jeder von uns war bereit aufzutreten, wann immer es die Möglichkeit gab. In der "Knitting Factory" in Los Angeles oder wo auch immer. Und Steve Conte hätte ich ebenso auf die Bühne geholt, wie Clem Burke und all die anderen. Der Typ kann spielen wie ein Verrückter!
TFRB: Wo kommt er eigentlich her?
Syl: Er ist aus Queens, nein eigentlich aus New Jersey. Aber lass mir dir kurz erklären wie die ganze Band zusammen kam. Also David hat die ganze Band zusammengestellt. Und als der arme Arthur starb, er war ein sehr guter Freund und so ein New York Doll, erzählte man mir von Sami Yaffa, der mit den Hanoi Rocks spielte. Er ist der einzige, den ich in die Band gebracht habe. Alle anderen haben mit David gespielt oder sind Freunde von David. Als David die Leute anrief und meinte: "Hey, ich komme mit den New York Dolls zusammen!" sagten sie zu ihm: "Steve Conte - hol Dir den Typen!" Und es stellte sich heraus, dass er grossartig ist. Er hatte wirklich alles um in die großen Fußstapfen treten. Es ist schon ein harter Job, wie sagt man? "Oh, du wirst Johnny Thunders ersetzen?" Aber er war echt smart & wir waren auch nett zu ihm, denn wir wollten niemanden ersetzen, weil man niemanden ersetzen kann.
TFRB: Und der Drummer von den Libertines, Gary Powell, ist nicht mehr dabei?
Syl: Nein, er war nur für die Meltdown Geschichte engagiert. Er ist grossartig, ich liebe ihn! Aber unser neuer Drummer ist auch grossartig, wir nennen ihn "Fancy Pancy Delancy", obwohl sein richtiger Name eigentlich Brian Delaney ist. Eine Avenue in New York, die "Delancey Street", nennt man so. Keine Ahnung wie das kam, ich hab ihn einfach mal so genannt und bin dabei geblieben. Und der Keyboarder, Brian Koonin, spielt mit David schon seit den Buster Piondexter Tagen zusammen.
TFRB: Wie oft habt ihr zusammen geprobt?
Syl: Wir haben nur einmal zusammen geprobt. Zwei Tage vor Meltdown, aber David konnte da nicht dabei sein, weil er ein Engagement hatte, er musste in Chicago spielen. Also war der zweite Tag unsere erste richtige Probe, wo dann wirklich jeder dabei war. Dann flogen wir nach London und machten die erste und einzige Probe mit Garry Powell. Danach musste er 25 Songs oder so lernen und am nächsten Tag waren wir auf der Bühne. Er hatte noch nie mit uns zusammen gespielt und nur einmal mit uns geprobt!
TFRB: Und wie oft habt ihr in der neuen Zusammensetzung für das neue Album geprobt?
Syl: Für das neue Album haben wir seit Meltdown gearbeitet. Nach Meltdown hat das Telephon nicht mehr aufgehört zu klingeln. Also haben wir weiter gearbeitet und gearbeitet und gearbeitet und sind auch durch die ganze Welt getourt. Wir sind eben nur nicht nach Deutschland gekommen, dass ist das einzige Problem. Aber wir haben dennoch gearbeitet, waren in Japan, Spanien und in England auf den Reading & Leeds Festivals 2004.
TFRB: Also seit ihr im Grunde genommen seit dem Meltdown zusammen unterwegs und probt nebenbei neue Songs?
Syl: Wir proben nicht wirklich viel. Ich mag das nicht so oft zu proben. Die anderen Jungs tun das vielleicht, aber ich lerne alles vor den Kids, wenn man es live spielt.
TFRB: Für das neue Album habt ihr unter anderem auch einen Song mit Bo Diddley aufgenommen?
Syl: Ja, aber der Song bei dem er mit drauf ist, ist irgendwie raus geflogen. Keine Ahnung warum, vielleicht war die Zeit noch nicht reif für diesen Song [lacht, ihr zweites Album hieß "Too Much Too Soon"].
TFRB: Also ist er gar nicht auf der Platte?
Syl: Ja, aber ich weiß nicht, ob man ihn irgendwo runterladen und anhören kann. Keine Ahnung, was die mit dem gemacht haben, aber er heißt "Seventeen". Den Song hat er übrigens geschrieben.
TFRB: Er muss ja jetzt auch schon knapp 80 Jahre auf dem Buckel haben?
Syl: Er ist ein alter Mann! Er ist ein verdammt alter Mann, der arme Kerl, er ist fast genauso alt wie wir. Weißt Du auf unserem allerersten Album, auf dem auch "Personality Crises" drauf ist, haben wir "Pills" gespielt, das war ein Bo Diddley Song. [beginnt zu lachen] Als wir mit den Dolls Ende der Siebziger in einem Laden in Long Island zu Ende gespielt hatten spielte Bo Diddley um die Ecke. Also setzten wir uns alle ins Auto, um Bo Diddley zu sehen. Und wir wollten, dass er den Song spielt, denn wir uns bei ihm abgeschaut hatten. Im Publikum riefen wir dann also immerzu: "Pills! Pills! Pills!" Er hat uns dann aus dem Laden schmeißen lassen, weil wir Kids waren die nach Drogen schrien. [lacht] Er konnte sich nicht mal mehr an seine eigenen Songs erinnern.
TFRB: Dann kannte er euch auch sicher nicht als ihr den Song eingespielt habt & hielt euch wohl für irgendwelche moderne Musiker?
Syl: Ich glaube Bo Diddley brauchte Erfolg und wir haben nun mal an seine Erfolge erinnert, das bedeutet ihm sicher mehr als alles andere.